Titelbild: Adobe Stock © Halfpoint

Vor acht Jahren war ich zum ersten Mal schwanger und es war eine wirklich schöne Schwangerschaft. Meine anfänglichen Ängste vor der Geburt wandelten sich durch das Lesen verschiedener Bücher immer mehr in Vertrauen und Vorfreude. Und als sich zum Ende hin dann abzeichnete, dass mein Sohn wohl mit dem Popo voran geboren werden möchte, konnte ich auch dann noch gut im Vertrauen bleiben. Wir hatten uns eh schon für eine Klinik entschieden, die auch in diesem Fall eine natürliche Geburt unterstützt. Also war alles bestens. Ich betrachtete es als Übung, das Vertrauen in meinen Körper und mein Kind noch zu vertiefen. 

Ich hatte mich auch ausführlich mit verschiedenen Interventionsmöglichkeiten auseinandergesetzt und für mich war klar, ich möchte keine! Kurz vor mir bekam eine Freundin ihr erstes Kind und ihr Bericht von ihrer eingeleiteten Geburt bestärkten diesen Vorsatz nochmal sehr. 

Nun kam der Tag – schon über dem ET – als meine Frauenärztin auf dem Ultraschall meinte zu sehen, es gäbe zu wenig Fruchtwasser. Sie überwies mich an die Klinik. Die Ärztin in der Klinik bestätigte diese Einschätzung und ihre Empfehlung: eine Einleitung am nächsten Tag. Uff. Das taten wir dann auch und glücklicherweise kann ich sagen, dass die Einleitung für mich kein Beginn einer Interventionskette gewesen war, wohl aber heftig in der Intensität, wenn ich das mit meiner zweiten nicht eingeleiteten Geburt vergleiche. Der kleine Mann schien schon auf dem Sprung gewesen zu sein und ist dann schneller als für möglich gehalten auf der Erde gelandet.    

Während der Geburt als die Fruchtblase platzte, stellte sich dann heraus, dass schon noch jede Menge Fruchtwasser da war, nur scheinbar auf dem Ultraschall irgendwie nicht sichtbar. Und das brachte mich dann nochmal sehr ins Nachdenken. Auch wenn so im Ganzen betrachtet alles gut lief, war es dann doch rückblickend betrachtet ziemlich aufregend, diese Überweisung ins Krankenhaus und die Entscheidung zur Einleitung. Das Gefühl, das „etwas nicht so richtig ist“ hatte Einfluss auf mein Urvertrauen. Und dieser Schreckmoment als die Herztöne unseres Kindes aufgrund der Medikamente einige Zeit auffällig waren, hätte uns auch erspart bleiben können. Es beschäftigte mich, dass es eigentlich keinen richtigen Entscheidungsmoment für oder gegen eine Einleitung gab. Es war mehr ein „Das machen wir jetzt mal. Alles halb so wild.“ Und ich wusste zwar, dass ich das eigentlich nicht wollte, aber sich gegen einen ärztlichen Rat entscheiden, das ging in dem Moment für mich nicht.   

Vielleicht kennst du sie auch, die Situationen, in denen du das Gefühl hat, kopflos zu sein – vor allem wenn Ängste oder Zeitdruck ins Spiel kommen. Die Emotionen überlagern den Verstand und in Entscheidungssituationen geschieht es dann leicht, dass wir, wenn möglich, die Verantwortung abgeben und einfach „Ja“ sagen. So ging es mir in dem Moment. Ich gab die Verantwortung ab. 

Einige Zeit nach der Geburt las ich dann von einem Hilfsmittel für genau diese Situationen. Und dieses Hilfsmittel möchte ich dir nun gern an die Hand geben. 

Die VRAIN-Analyse

Die VRAIN-Analyse ist ein Werkzeug, das dir dabei hilft, Entscheidungen zu treffen, wenn es sich im Kopf gerade nebelig anfühlt. In der Regel solltest du vor jeder Entscheidung ausreichend Zeit haben, um die Gedanken zu sammeln, um anschließend im Dialog eine Entscheidung zu treffen, die sich für dich gut anfühlt. Sehr gut ist auch, wenn dein(e) Geburtsbegleiter(in) dieses Werkzeug ganz genau kennt und achtsam ist, wann Situationen auftauchen, in denen es wichtig für euch ist. 

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VRAIN

Vorteile = Was habe ich davon?

Risiken = Welche Risiken gibt es?

Alternativen = Welche Alternativen gibt es für mich?

Intuition = Was sagt dein Bauchgefühl?

Nichtstun = Was passiert, wenn ich gar nichts unternehme?

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Diese Fragen mit deiner Hebamme und/oder deinem Arzt abzuklopfen, wird euch ein großes Stück voranbringen. Es lässt sich so wunderbar heraushören, ob es wirklich dringend Handlungsbedarf oder ausreichend Zeit für Alternativen gibt, was doch fast immer der Fall ist. 

Bereits in der Schwangerschaft kannst du dich gut darin üben, nachzufragen und auch mal „Nein“ zu sagen. Bei der Vielzahl an Untersuchungen sollten wir auch hier schon wachsam sein und uns stets fragen, was macht die Untersuchung mit mir und meiner Selbstbestimmung? Wer entscheidet hier gerade, was mit meinem Körper geschieht? Und gibt es einen guten Grund für diesen Eingriff? Taste dich zusammen mit deinen Begleitern an eine Entscheidung heran. Die VRAIN-Analyse kann dabei dein Leuchtturm sein. 

Noch mehr Tipps für eine achtsame und selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt findest du im Print-Magazin.

Alles Liebe für dich, Patricia

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