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Die Zeit der Schwangerschaft bringt ungeahnte Prozesse in dir in Gang. Wie du vielleicht schon bemerkt hast, kannst du das auch gar nicht wirklich steuern. Da klopfen Tränen, Ängste, Erschöpfung an, ebenso wie in dieser Intensität ungeahnte Liebe und Vorfreude. 

Ich erinnere mich noch an meine erste Schwangerschaft, in der dieses Wechselbad der Gefühle ein ständiger Begleiter war. Zunächst wusste ich nicht recht, wie ich mit all den Ängsten, die ich damals noch vor der Geburt hatte, umgehen sollte. Glücklicherweise fielen mir damals einige Bücher in die Hände, die zu meinem Anker wurden. Sie verdeutlichten so eindrucksvoll, was genau während der Geburt im Körper der Frau passiert. Ich gewann Vertrauen in die Natur, in meinen Körper und in mein Baby. Es zeigten sich aber auch immer mal wieder Ängste, die ich nicht alle mit offenen Armen empfangen und erforscht habe. Es war eher ein „Ihr habt doch hier nichts zu suchen. Ihr stört.“ und verbannte zumindest einige von ihnen in die tiefsten Schubladen. Zum Glück ist mein Sohn in einer sehr vertrauensvollen Geburtsumgebung geboren, so dass diese Ängste mich nicht allzu sehr einholten. Ich weiß aber, hätte ich ihn in einer Umgebung geboren, die nicht derart von Vertrauen und Geborgenheit erfüllt gewesen wäre, hätte ich sehr wahrscheinlich meinen Halt und die Verbindung zu mir verlieren können. 

Heute bin ich zu einer Forscherin geworden, wenn es um meine Ängste geht. Denn ich weiß, nur wenn ich sie wahrnehme und erforsche, kann ich sie gehen lassen oder lernen mit ihnen umzugehen. Aus diesem Grund sind dieses Wechselbad der Gefühle und insbesondere die tiefen Täler, die sich manchmal zeigen, ein besonderes Geschenk. Beobachte genau, was sich in dir tut, was sich zeigt. Damit meine ich wirklich ALLES. Wir sollten nicht werten, ob dieses Gefühl nun wichtig oder unwichtig ist oder gar uns selbst für falsch bewerten, so zu fühlen. 

Wenn du merkst, dass du dich angespannt und unsicher fühlst, halte inne und schreibe alles auf. Ein kleines Heft für Notizen könntest du immer dabeihaben. Ich wiederhole es nochmal, weil ich es so wichtig finde: Schreibe ALLES auf. Du wirst Muster erkennen. Gefühle, die sich immer wieder zeigen. Und manchmal auch ganz neue Gedanken und Gefühle. Tauche tief ein und versuche auf deine innere Stimme zu hören, wenn du fragst: 

Woher kommt dieses Gefühl? Woher kommt diese Angst? Was wollt ihr mir zeigen? 

Sehr wahrscheinlich sind diese Fragen von Erinnerungen begleitet, von Schmerz, von Trauer. Lass all das zu und hole dir Rat und Unterstützung, wenn du jemanden brauchst, der dir eine Stütze ist in diesem Prozess. Das kann eine Freundin, dein Partner, die Hebamme deines Vertrauens oder eine andere Person, der du dein Vertrauen schenkst, sein. 

Ich möchte dir sagen, hab keine Angst vor diesem Prozess. Viele von uns haben nie gelernt, Gefühle wahrzunehmen oder einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen, weil es oft nicht sein durfte, weil auch als wir noch klein waren, die großen Menschen um uns dies ebenso nie gelernt hatten. Allein das Wahrnehmen und Fühlen bringt jedoch Heilung. Es ist ähnlich wie mit dem Fieber. Das Fieber ist nicht die Krankheit, es ist das, was es für die Heilung braucht. 

Sprich mit deinem Baby. Seid eng verbunden in diesem Prozess. Die kleinen Wesen im Bauch sind voller Licht und Weisheit. Wenn du mit ihm sprichst, kann es all deine Gefühle einordnen. 

Alles Liebe,

Patricia

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